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Neonics – Gefahren sind höher als angenommen

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14. Januar 2017 von Marzellus

2017 könnte ein Schicksalsjahr für den Artenschutz in Europa werden. In diesem Jahr läuft nämlich das Ausbringungsverbot der drei bekanntesten Stoffe, die Bestandteile von Herbiziden sind. Imidacloprid, Clothidanin sowie Thiamethoxam läuft in diesem Jahr aus.
2013 hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die seit Ende der 90er Jahren vermutete negativen Umweltauswirkungen der Pflanzenschutzgifte bestätigt und den Vertrieb deutlich eingeschränkt. Bis zu diesem Jahr sollte das Moratorium genutzt werden, um eine bessere Datenlage abzuwarten. Greenpeace hat in diesem Zusammenhang eine Studie zu den Auswirkungen der Neonics auf die Natur in Auftrag gegeben, die selbst den schlimmsten Verdacht bestätigt.

In der Studie mit dem Titel „Umweltrisiken durch Neonicotinoide: eine Überprüfung der wissenschaftlichen Datenlage seit 2013″ warnen die britischen Wissenschaftler der Sussex University vor den Auswirkungen neonicotinoidhaltiger Insektizide auf Bestäuber und die Umwelt. Zugleich identifizierten die Forscher zusätzliche Risiken für Bestäuber. Die Studie weist insbesondere darauf hin, dass nicht nur mit Neonicotinoiden behandelte Kulturen, sondern auch unbehandelte aber durch Sprühnebel oder Stäube kontaminierte Wildpflanzen eine Gefahr für Bienen darstellen.“Die Daten zeigen zudem, dass Neonicotinoide in unserer Umwelt allgegenwärtig geworden sind und
die Wasserressourcen, die Böden sowie die natürliche Vegetation kontaminieren. Von diesen Giften erhebliche Risiken für zahlreiche andere wild lebende Arten als Bienen, darunter Schmetterlinge, Käfer und Wasserinsekten, ausgehen – mit möglichen Dominoeffekten in der gesamten Nahrungskette.“ heißt es in der gerade veröffentlichten Studie.

Mit ihren Forschungsergebnissen stehen die britischen Wissenschaftler nicht allein. Bereits im Februar 2016 hatte die Studie „Academies Review insecticide harm“ der Organisation „European Academies Science Advisory Council“(EASAC) gezeigt, dass sich der vorbeugende Neonicotionoid-Einsatz unter anderem in einem frühen Tod von Königinnen und einer geringeren Fortpflanzungsrate bei Wildbienen auswirkt. Der Studie zufolge sind nicht nur Honigbienen, sondern auch Motten und Schmetterlinge betroffen, die ebenfalls Pflanzen bestäuben. Auch auf insektenfressende Vögel hätten die Pestizide Auswirkungen. Mit dem Satz: „Es gibt klare Beweise, dass bereits geringste Mengen Neonicotinoide solche chronischen Effekte auf Nützlinge haben können“, ließ sich der Berner Professor Peter Neumann, einer der 13 Mitautoren der europaweiten Metastudie zitieren.

In einer „Resolution zum Schutz der mitteleuropäischen Insektenfauna, insbesondere der Wildbienen, verfasst von den Teilnehmer/innen der 12. Hymenopterologen-Tagung Stuttgart im Oktober 2016“, fordern die teilnehmenden Insektenforscher Maßnahmen gegen den galoppierenden Artenschwund bei den Bestäubungsinsekten. Die teilnehmenden Wissenschaftler fordern an die Adresse von Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt an allererster Stelle „ein vollständiges Verbot von Neonicotinoiden, mindestens aber ein vollständiges, ausnahmsloses Moratorium für ihren Einsatz bis zum wissenschaftlich sauberen Nachweis ihrer Umweltverträglichkeit“.

Ende Dezember habe ich auf dem Portal http://www.abgeordnetenwatch.de dem deutschen Landwirtschaftsminister die Frage gestellt: Warum wird die Resolution nicht von Ihnen nachdrücklich unterstützt? Warum argumentieren Sie in Ihren öffentlichen Statements immer mit der nicht nachgewiesenen Kanzerogenität?

Bisher blieb meine Frage an den Minister unbeantwortet. Im Wahljahr 2017 halte ich es für eine gute Idee, wenn auch meine Leser mal den Bundeslandwirtschaftsminister um eine klare Stellungnahme zu diesem Thema drängen würden. Bienenapps und Blühkalender aus dem Ministerium von Landwirtschaftsminister Schmidt sind ja ganz nett. Bisher habe ich leider nicht den Eindruck, dass Schmidt auf der Seite der Bienen- und Artenschützer steht. Ich beobachte schon lange, dass unser oberster Bienenschützer weiter als nur bis zu seinen Kniekehlen im „Sumpf der Lobbyisten“ watet.

Zur weiteren Lektüre empfehle ich: Greenpeace-Studie 
3-Sat: Immer mehr Beweise – Neonicotinoide verursachen chronische Effekte
Der flächendeckende, vorbeugende Einsatz von Neonicotinoiden schadet Honigbienen und wildlebenden Insekten. So lautet das Ergebnis einer europaweiten Metastudie.

Im Sumpf der Lobbyisten . Der Beitrag der TAZ erklärt unter anderem: Warum Agrochemiekonzerne ihre Produkte am liebsten in Deutschland zulassen

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