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Teufelszeug

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7. November 2021 von Marzellus

Ist Oxalsäure ein geeignetes und wirkungsvolles Mittel gegen die Varroa-Bekämpfung? Das Thema könnte längst geklärt sein, ist es aber leider nicht. Ganz Europa hat kein Problem damit, eine nachweislich bienenschonende Bekämpfung der Varroamilbe durch Sublimierung von Oxalsäure mit sehr guten Ergebnissen zuzulassen. Nur Deutschland steht wie beim Tempolimit auf Autobahnen allein gegen den Rest der Welt.

Während auch hierzulande die Imker auf bienenschonendere Alternativen zur „Ameisensäure-Entmilbung“ hoffen, erklärt jetzt der Deutsche Imkerbund in seinem letzten Vereinsblatt „DIB-Aktuell“, dass er „derzeit keinerlei Notwendigkeit oder Erfordernis, die Verdampfung von Oxalsäure zu unterstützen“ sieht.

Dabei haben die Bieneninstitute, aus deren Ecke diese Haltung zu der in der Imkerschaft schwelenden Frage des Einsatzes von verdampfter Oxalsäure kommt, bis heute noch nicht nachvollziehbar erklärt, wie der Wirkmechanismus der verschiedenen Behandlungsmethoden funktioniert. Da gibt es bestenfalls Hypothesen.

Ein kleiner Hobbyimker muss sich deshalb aktuell wegen dieser Forschungs- und Aufklärungslücke der staatlichen Bieneninstitute mit einem Strafbefehl der Kieler Staatsanwaltschaft auseinandersetzen, weil er öffentlich die Tatsache, dass Oxalsäure seit 2018 nicht mehr apothekenpflichtig ist, als Freigabe für die in Resteuropa akzeptierte Methode der Entmilbung seiner Bienenvölker interpretiert hat.

Es ist aus meiner Sicht eine Unverschämtheit, den armen Kai von www.nordbiene.de auf der „Hohen See“ der Jurisprudenz einen Kampf auf eigene Kosten führen zu lassen, nur weil er für einen wirkungsvollen und bienenschonenden Weg in der Varroabekämpfung eintritt. So wie ich das sehe, geht es im Fall von Nordbiene um juristische Spitzfindigkeiten ob OX jetzt ein Arzneimittel ist oder nicht. Den Imkern und den Bienen ist damit leider nicht wirklich geholfen.

Helfen könnte der Interessensverband der Imker, aber der lässt nicht nur den armen Kai von Nordbiene.de im Regen stehen, sondern trägt mit seiner Abwarten-und-Tee-trinken-Haltung dazu bei, dass mit ihm auch Tausende von Imkern in Deutschland kriminalisiert werden, wenn sie statt der hochproblematischen Ameisensäure die weniger gefährliche Oxalsäure zur Entmilbung ihrer Bienenvölker in Dosierungen verdampfen, die in etwa dem Säuregehalt von 200 Gramm Spinat entsprechen.

Was läuft da falsch?

Der Versuch einer Antwort:

Der seit Ende der 70er Jahre sich verbreitende Bienenparasit Varroa destructor wird entweder mit chemischer Keule oder mit organischen Säuren in Kombination mit imkerlichen Maßnahmen wie dem Schneiden der Drohnenbrut u.a. bekämpft. Gute Erfolge hatte man dabei mit der Verdunstung von Ameisensäure, aber seitdem hat sich in Sachen Varroabekämpfung nicht mehr viel Innovatives getan.

Verfahren wird nach der Devise: Ameisensäure wirkt! Was wollt ihr mehr?

Als Imker will ich in der Tat mehr: Ich erwarte klare wissenschaftliche Aussagen über die Wirkmechanismen von OX, AS oder MS. Was wirkt da???? und warum wirkt das???? Was ist mit Resistenzen???? Welche guten und bienenverträglichen Alternativen zur Ameisensäure habe ich als Imker außerdem???? Das sind nur einige der naheliegenden Fragen aus der imkerlichen Praxis.

Da will ich Antworten sehen und die sollten von den Bieneninstituten kommen, die in Deutschland die Imkerschaft beraten und die Imkerei mit innovativen Lösungen zum Milbenproblem versorgen sollen. Antworten erwarte ich aus dem Auftrag der Bieneninstitute heraus “ innovativen Forschungsprojekte“ durchzufühern. Im Falle der Varroabekämpfung gibt es jedoch nach der Ameisensäureempfehlung aus dem letzten Jahrhundert weder Innovatives noch wissenschaftlich Begründetes.

Antworten erwarte ich auf keinen Fall von einem Staatsanwalt, dem es um den aus dem Arzneimittelgesetz heraus begründeten Vorwurf geht, dass „Besitz und Lagerung von Oxalsäure kristallin eine STRAFTAT ist, wenn Oxalsäure kristallin zur Anwendung in der Varroa-Behandlung eingesetzt wird.“ Nach dieser Juristenlogik müsste man auch den Gebrauch von Puderzucker unter Strafe stellen, wenn er dem Imker in die Hände fällt.

Meine Meinung, und die ist ja ausdrücklich frei: Wenn der Bundesverband der Imker „DERZEIT“ keinerlei Notwendigkeit oder Erfordernis sieht, die Verdampfung von Oxalsäure zu unterstützen, dann vermute ich dahinter wissenschaftliche Saumseligkeit und eine nicht zu überbietende Faulheit der Bieneninstitute in Verbindung mit einem handzahmen DIB, dem die berechtigten Interessen der Imkerschaft auf wissenschaftliche Klärung von Fachfragen am Arsch vorbeigeht. Änderung kann man aber nur durch Druck aus den Imkervereinen erreichen, der leider fehlt, was auch in der satzungsbedingten Verbandsstruktur begründet ist.

Das einzige, was ich an Lebenszeichen dieser faulen und opportunistischen Institutionen sehe, ist das Ausruhen auf etablierten Verfahren der Varroabekämfung. Der Bedarf der Imkerschaft nach Alternativen wird einfach ignoriert. Stattdessen scheint man neben Statistik als Agenda nur die Vermarktung von Retrogläsern im Programm zu haben.

Das kann es und darf es doch nicht sein!

Die Fischermühle, wo der Verein Mellifera zu Hause ist, hat schon vor 20 Jahren einen großen, methodisch korrekten Feldversuch mit OS Behandlung durchgeführt und kommt zu beeindruckenden Ergebnissen, die aus vielen Gründen eindeutig für die Verdampfung von Oxalsäure sprechen.

Aber solche Untersuchungen werden von den Bieneninstituten noch nicht einmal aufgegriffen. Sie werden weder bestätigt noch widerlegt, sondern einfach nur ignoriert.

Wenn ich schon die OS Verdampfung nicht unterstütze, dann erwarte ich zumindest handfeste und methodisch sauber nachvollziehbare Argumente, und keine Verweise auf irgendwelche nicht publizierten „eigenen Untersuchungen“. Das sind für mich nichts anderes als unbelegte Behauptungen. Und ein Satz wie: „die Effektivität einer Oxalsäure-Verdampfung [ist] nicht besser als die einer Behandlung mit Ameisensäure“ heißt zuallererst, dass die Oxalsäurebehandlung offenbar eine gleichwertige Wirkung hat. Deshalb empfinde ich die offizielle Haltung des DIB und der staatlichen Bieneninstitute als eine anmaßende Bevormundung. Ein solches Statement belegt mir, dass uns Imkern seitens der staatlichen Stellen alternative Behandlungsformen verweigert werden.

Zum Nachlesen: https://www.mellifera.de/download.html…

Mein persönliches Fazit: Der DIB vertritt nicht wirklich überzeugend die Interessen der Imkerschaft. Die Bieneninstitute kommen ihrer „Aufgabe der Durchführung von innovativen Forschungsprojekten“ nicht wirklich nach.

Beitragsbild: Von Courtesy, Eric Erbe, Christopher Pooley: USDA, ARS, EMU. – Source not available online. Reference: http://www.sel.barc.usda.gov/acari/frames/beemites.html, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2448082

Ein Kommentar zu “Teufelszeug

  1. Hartmut sagt:

    Die nächstliegende Frage ist doch, wer profitiert wohl davon, wenn es keine weiteren Alternativen zu den bisher offiziell zugelassenen Präparaten gibt?
    Ich sehe da ganz klar monetäre Gründe für die „Nichtzuständigkeit“ der deutschen Bienenstitutute an Behandlungsaternativen zu arbeiten.

    Und nicht nur Behandlungsalternativen werden einfach nicht gesucht, selbst unbehandelte Völker auf eine wie auch immer geartete nachhaltige Varroafestigkeit konsequent zu testen, ist doch durch die Bienenseuchenverordnung sogar verboten worden.

    Besser läuft es weltweit nirgends für die Inhaber der aktuellen Behandlungsmittellizenzen.

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