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Wildbienen und Honigbienen

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6. April 2020 von Marzellus

Biene28_nashi (1)Aus dem vergangenen Jahr erinnere ich mich an zahlreiche Presseartikel, die mit der These aufwarteten, Wildbienen seien hinsichtlich ihrer Bestäubungsleistung den Honigbienen gleichzustellen, wenn nicht sogar überlegen.

Oft gipfelten solche Berichte in der Feststellung, Honigbienen seien hochgezüchtete landwirtschaftliche Nutztiere, die zu Unrecht als Garanten für unsere Nahrungsmittelproduktion gelobt würden. Stattdessen solle man die zahlreichen Wildbienenarten schützen und fördern.

Natürlich habe ich als Imker kein Problem damit, erstens die Wichtigkeit der weit über 500 in Deutschland nachgewiesenen Wildbienenarten anzuerkennen. Und ihren Schutz fordere ich ebenfalls mit Nachdruck.

Aus der imkerlichen Perspektive sehe ich in Honigbienen und Wildbienen absolut keine Nahrungskonkurrenten, wie das gelegentlich zu lesen ist. Das ist eine sehr einfache und falsche Sicht auf das Thema Bestäubung. In meinem Post „Quarks oder Quark“ habe ich mich ausführlich mit dieser Behauptung auseinandergesetzt.

Doch neben grundsätzlichen Überlegungen zur Rolle von Honigbienen und Wildbienen, möchte ich hier bezüglich der tatsächlichen Bedeutung der Wildbienen im Obstanbau noch eine Anmerkung aus der Praxis nachliefern.

Eine Untersuchung einer Obstplantage in der Nähe von Bonn aus dem Jahr 2004 stellt die Frage: „Sind Obstanlagen geeignete Nahrungs- und Nisthabitate für Wildbienen?“ Die wissenschaftliche Antwort zeigt uns, dass uns die Feststellung, dass auch Wildbienen fleißige, oft sogar fleißigere Bestäuber als unsere Honigbienen sind, in der Praxis wenig weiter bringt. Solange man sozialen Wildbienen keine Chance gibt, innerhalb der Obstplantagen eigene Kolonien aufzubauen, oder im Fall der Solitärbienen im Obstanbau keine notwendigen Nist- und Nahrungsmöglichkeiten herstellt, ist das ein Streit um des Kaisers Bart.

Ich will hier nur zwei Absätze zitieren.

„An 2900 Blütenbüscheln der Apfelbäume konnten während insgesamt 12-stündigerBeobachtung 71 Honigbienen und 2 Sandbienen (Andrenahaemorrhoa) registriert werden. An 500 Blütenbüscheln der Süßkirschen wurden in 4 h 72 Honigbienen, 2 Erdhummeln (Bombus lucorum) und eine Sandbiene (Andrena haemorrhoa) beobachtet.“

Das deckt sich nach Aussage der Bonner Bienenforscher mit anderen ähnlichen aktuellen Untersuchungen.

Früher war das wohl anders. Die Studie erwähnt in diesem Zusammenhang:

„Rühl (1977) fand südlich von Bonn bei zweijährigen Untersuchungen auf einem Obstbetrieb 61 Wildbienenarten und auf einem ökologisch wirtschaftendem Obstbetrieb 80 Arten. Bei Untersuchungen auf Streuobstwiesen wurden von Steffan-Dewenter u.Tscharntke (1995) 71 Bienenarten und von Mohr et al.(1992) auf strukturreichen Streuobstwiesen im Nordpfälzer Bergland 100 Arten festgestellt.“

Hinsichtlich der Gründe für die in der Praxis eher schwache Bestäubungsleistung der Wildbienen gibt es zwei wohl wesentliche Aspekte. Zum einen finden sich wegen der heute üblichen Bewirtschaftung der Plantagen innerhalb der Obstbauflächen für Wildbienen keine geeigneten Nistmöglichkeiten . Für solitäre Wildbienen, die im Sommer mit einer zweiten Generation (bivoltine Arten) auftreten, gibt es nach der Obstblüte kein Nahrungsangebot. Hinzu kommt, dass der Flugradius der Wildbienen oft nur 200 bis 300 Meter beträgt. Wenn Obstplantagen innerhalb einer strukturarmen Agrarlandschaft liegen, bringen Wildbienen auf Obstplantagen auch keinen relevanten Beitrag für die Bestäubung von Obstkulturen.

„Zur zitierten Studie“

Zum Bild: Eine Furchenbiene besucht die Blüten einer Nashibirne. Das Foto habe ich in meinem Garten aufgenommen.

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