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Naherkundung

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21. Januar 2018 von Marzellus

kopfweide

Kopfweiden im Naturschutzgebiet Ommelstal

Das ist die Kurzbeschreibung der „Rommerskirchener Lössplatte“ bei Pulheim und Bergheim bei Köln: Agrarflächen, eine ausgeräumte Landschaft, meterdicke Lössböden, Felder bis an den Wegrand gepflügt, riesige Schläge, die auf das Frühjahr warten um mit Getreide, Zuckerrüben, Raps, Mais, Kartoffeln bepflanzt zu werden. Mitten in dieser Agrarwüste liegt das Naturschutzgebiet Ommelstal.

Engagierte Bürger haben über Jahrzehnte daran gearbeitet, dass die 35 Hektar große Fläche des NSG 2017 endlich den notwendigen Schutzstatus bekommen hat. Doch eine Unterschutzstellung ist nur die halbe Miete. Inselbiotope wie das Ommelstal haben auf Dauer keine Zukunft, wenn sie nicht mit anderen Biotopen vernetzt werden.

Im Kölner Stadtanzeiger lese ich, dass es 50 Jahre gedauert hat, bis man dem Nassbiotop den amtlichen Status eines Naturschutzgebietes gegeben hat. Auf dem ehemals brachliegenden Gelände, auf dem Autos standen, aus denen Öl auslief, und wo ungeklärte Gewässer des Dorfes Fliesteden flossen, hat man über die Jahrzehnte mit viel ehrenamtlichen Bürgerengagement eine kostbares Biotop entstehen lassen. Das verdient alle Hochachtung.

Doch bei allem gebotenen Respekt für den Einsatz der Naturschützer darf man bei dem Erreichten nicht stehen bleiben. Solche isolierten Inseln können den galoppierenden Artenschwund nicht aufhalten und schon gar nicht verhindern. Am Ommelstal zeigt sich exemplarisch, was in Zeiten grassierenden Artenschwundes nicht nur Naturschützer und Imker beunruhigen sollte:

snip_ommelstal

Das Ommelstal – ein NSG inmitten einer Agrarwüste

Isolierte Biotope wie das NSG Ommelstal reagieren besonders sensibel auf Zufallsereignisse wie Krankheiten oder Wetterextreme. Gefahren wie Inzucht und genetische Verarmung bedrohen die dort lebende Kleinfauna zusätzlich. Stirbt hier eine Art lokal aus, kann der Lebensraum häufig nicht wiederbesiedelt werden. Kein Lurch und kein Laufkäfer hat den Hauch einer Chance hie wieder einzuwandern. Arten mit hohem Spezialisierungsgrad und enger Bindung an bestimmte Lebensräume werden ohne Biotopvernetzung sich nicht wieder ausbreiten können.

Um die Artenvielfalt auf Dauer zu erhalten, müssten deshalb Möglichkeiten der Besiedlung bzw. Wiederbesiedlung durch einen Biotopverbund geschaffen werden.

Was mir bei meinem heutigen Besuch der kleinen Arche Ommeltal aufgefallen ist: Das NSG ist ein solches typisches Inselbiotop, das überhaupt nicht mit anderen ökologischen Ausgleichsflächen vernetzt ist. Ohne Biotopvernetzung sind deshalb Käfer, zahlreiche Insektenarten, Lurche und Kleinsäuger auf Dauer als Arten hier nicht überlebensfähig. Sogenannte Linienbiotope wie Ackerrandstreifen, Raine, Böschungen, Wege und Straßenränder, Hecken, Alleen und Fließgewässer könnten Abhilfe schaffen und den Fortbestand solcher Inselbiotope dauerhaft sichern. In stark ausgeräumten Landschaften wie auf der Rommerskirchener Lössplatte ist das in Zeiten des Artensterbens unverzichtbar.

Eine Kommission aus Vertretern der Stadt Bergheim, des Erftverbandes, der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft und des Rhein-Erft-Kreises sowie Land- und Forstwirte und Jäger habe sich auf ein Vorgehen geeinigt, das eine „naturbezogene, ruhige Erholung“ in dem Gebiet ermögliche, lese ich.

Das ist mal wieder eine sehr bornierte und menschenbezogene Sehweise. Das ist zu kurz gedacht und hilft der Erhaltung ökologischer Vielfalt nicht weiter. Es geht heute um mehr als „naturbezogene und ruhige Erholung“ – es geht darum, Biodiversität nachhaltig zu schützen und zu erhalten. Und darauf kann man keine weiteren 50 Jahre mehr warten. Wer nicht an die Zukunft denkt, der wird bald große Sorgen haben.

Weiterführende Informationen:

Zum Artikel des KStA: https://www.ksta.de/25470772

©2018

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