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Außer Spesen nichts gewesen

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11. September 2022 von Marzellus

„Präsident Ellmann vertritt deutsche Interessen in Brüssel“ titelt ein Beitrag im aktuellen Monatsheft von DIBaktuell. Mal abgesehen davon, dass diese Schlagzeile ja das formuliert, was man als kleiner Imker an der Basis von seinem Präsidenten erwartet, hat das doch meine Aufmerksamkeit gefunden.

„Aha, der Imkerbund vertritt Interessen! Dann lies mal, welche Interessen das sind?“ habe ich gedacht. Doch die Lektüre des Berichtes über das Treffen der WP Honey (Workparty Honey) der Europäischen Bauernvereinigungen Copa Cogega, über die in diesem Artikel berichtet wird, bringt dann doch bezüglich meiner Erwartungen keinen echten Erkenntnisgewinn.

Das, was unser Präsident in die Tagung eingebracht hat, war die Frage nach den unterschiedlichen Applikationsmöglichkeiten von Oxalsäure, die nicht nur ihn und mich beschäftigen. Die Antwort konnte peinlicher nicht sein. Fran Proscia von der „Federation of Veterinarians of Europe“ verwies Herrn Ellmann auf die nationale Gesetzgebung. Diese Antwort hätte er sich auch in Berlin holen können, vielleicht sogar im eigenen Hause.

Wer sich mit dem Thema etwas beschäftigt, weiß, dass in den deutschen Bienenstöcken die organischen Säuren Ameisensäure, Milchsäure, Essigsäure und Oxalsäure sowie die Substanzen Menthol, Thymol, Eukalyptol und Kampfer, die bei einem Befall mit Varroatose verwendet werden, ab 2025 ihre Standardzulassung verlieren werden. Dann werden nur noch Präparate der chemischen Industrie zur Behandlung unserer Bienen zugelassen sein. Und die nur im Zusammenhang mit der damit zugelassenen Applikationsmöglichkeit.

Das sind für deutsche Imker, die immer noch auf eine Zulassung der Oxalsäuresublimierung warten, ganz schlechte Nachrichten.

Die in Deutschland verfügbaren oxalsäurehaltigen Präparate sind nur für die Träufel – und Sprühmethode zugelassen. Bei einem Vergleich der „Standardzulassungsmonografien für Oxalsäure …“ des Bundesamtes für Arzneimittelsicherheit mit dem Beipackzettel eines führenden Herstellers des OX-Präparates kann man weitgehende textliche Übereinstimmung erkennen.

Das nenne ich mal erfolgreiche Lobbyarbeit, von der der DIB sich mal was abgucken sollte.

Und auch von der Tierarztlobby kann man einiges lernen: Man muss Antworten haben! Und die hätte man als Imkerpräsident im Gepäck, wenn man nicht in konzertierter Aktion mit den Bieneninstituten von Anfang an das Verfahren der Oxalsäuresublimation mit fadenscheinigen und wissenschaftlich widerlegten Behauptungen bekämpft hätte. Das Ergebnis: Was in unseren Nachbarländern als „gute imkerliche Praxis“ gilt, wird in Deutschland kriminalisiert.

Mit Krokodilstränen in den Augen nach Brüssel zu fahren um längst beantwortete Fragen zu stellen, läuft unter der Rubrik „Außer Spesen nichts gewesen!“.

Bildquelle: https://pixabay.com/de/photos/br%c3%bcssel-europa-flagge-fahne-4056171/

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