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Immenkräuter

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29. Mai 2018 von Marzellus

thymian

Zu den bedeutenden Zeugnissen antiker Bienenhaltung gehört das Werk „Res Rustica“ (Über die Landwirtschaft) des Lucius Iunius Moderatus Columella. Der antike Sachbuchautor Columella widmet das neunte seiner 12 Bücher, heute würde man sagen Kapitel, der Bienenhaltung im ersten Jahrhundert nach Christus. Unter anderem beschäftigt er sich mit der Frage nach der besten Bienenweide.

„Die Gegend muss fruchtbar sein an kleineren Stauden, vornehmlich an Thymian und Wohlgemut, auch fremden Thymian, oder dem hier wachsenden Pfefferkraut, welches die Landwirte Saturey nennen“, schreibt der Veteran und Gutsbesitzer über die besten Trachtbedingungen für guten Honigertrag.

Nun hat man es mit der Benennung des Thymians (Thymus vulgaris) leichter als mit den anderen Pflanzennamen. Wohlgemut, soviel steht fest, ist ein volkstümlicher Name für das Pizzakraut Oregano, für das auch gelegentlich die Trivialnamen „Dost“ oder „Wilder Majoran“ im Gebrauch sind. Etwas schwieriger wird es, wenn man danach forscht, was der unbekannte Übersetzer in seinem Text aus dem Jahr 1769 mit „fremdem Thymian“ meint. Ich tippe mal auf den auch bei uns wild wachsenden Quendel, botanisch Thymus pulegioides, und „Pfefferkraut“ oder „Saturey“ ist heute eher unter dem Namen Gartenbohnenkraut (Satureja hortensis) bekannt.

Alle von Columella aufgezählten Pflanzen sind Mitglieder der Familie der Lippenblütlergewächse (Lamiaceae) und gehören zur Unterfamilie Nepotoideae (Minzenartige) Zu dieser Pflanzengruppe gehören auch andere bekannte Küchenkräuter wie Basilikum, Lavendel, Ysop oder Melisse.

Es ist kaum zu erwarten, dass Columella die Bedeutung all der genannten Kräuter im heutigen Sinne wissenschaftlich ermittelt hat. Aber es ist leicht zu beobachten, dass Honigbienen, Hummeln und andere Mitglieder aus der Familie der Wildbienen nicht nur im wörtlichen Sinn auf „Thymus vulgaris“ und seine weitläufige Verwandtschaft fliegen. Von daher ist es leicht nachzuvollziehen, dass Thymus unter anderem auch unter dem Vulgärnamen „Immenkraut“ oder „Bienenkraut“ bekannt ist.

Alle diese Heil- und Gewürzpflanzen bieten den Insekten reichlich Nektar und Pollen. Beim „Thymian“ zum Beispiel könnten Honigbienen zum Beispiel pro Hektar Blühfläche bis zu 185 Kilo Honig eintragen. Bei Preisen von über 30 € für das Kilo Thymianhonig würde sich das Imkern an einem blühenden Thymianfeld ganz gewiss lohnen.

Der Haken an der Sache ist, dass hierzulande Thymian in der Regel nur in Kräuterbeeten oder als Bodendecker in Haus- und Ziergärten oder als trockenheitsverträgliche Pflanze auf Gründächern angebaut wird. In Deutschland gibt es nur auf etwa 10.000 Hektar einen feldmäßigen Anbau von Heil- und Gewürzpflanzen. Speziell Thymian wächst auf gerade mal 1,4 % dieser Fläche.

Aber selbst in der Nähe dieser Felder haben die Bienen das Nachsehen. Landwirte und Gärtner ernten die Kräuter normalerweise kurz vor der Blüte, denn dann ist der Gehalt an Aromen und ätherischen Ölen bekanntlich am höchsten. Unser Bienen stehen jedoch vor allem auf die Blüten, denn diese enthalten die für sie wichtigen Pollen und den Nektar.

Thymian bevorzugt immergrüne Regionen, mildes Klima und relative Windstille wie auf Kreta. Deshalb wird es hierzulande keinen Sortenhonig aus Thymian geben. Nach den Honigrichtlinien darf man einen Honig dann einen Thymianhonig nennen, wenn mehr als 60 Prozent der darin enthaltenen Restpollen von der namensgebenden Pflanze stammen.

Aus imkerlicher Sicht hat der Thymian als Trachtpflanze trotz alledem Vorteile: Er blüht von April bis in den Oktober hinein. Durch die lange Blütezeit wird er von Nektar suchenden Insekten in blütearmen Zeiten gerne angeflogen, solange man ihn denn zur Blüte kommen lässt. Bei uns ist der Kleinstrauch vor allem in Kräuterbeeten oder als Bodendecker in vielen Gärten zu finden. Deshalb wird er bei uns immer als sogenannte Läppertracht Eingang in das Geschmackspotpourie des Blütenhonigs finden. Aber das ist ja nicht weiter tragisch. Läppertrachten sind ebenso wichtig für die Versorgung des Bienenvolkes wie die Massentrachten. Sie liefern die notwendige Nahrungsvielfalt und schließen die Versorgungslücken zwischen den großen Trachten.

Ein Kommentar zu “Immenkräuter

  1. Hallo Marcllus! Interessanter Beitrag über den Thymian. Hab ganz viel davon in meinen Bienengarten gepflanzt. Bin ständig auf der Suche nach dem Quendel. Der hat mal einen Winter nicht überlebt. Hätte gern so einen schönen Thymianweg wie Prinz Charles in Highgrove. Der ist sehenswert! Liebe Grüße von Helgabiene 🐝

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