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Wichtige Weiden

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4. März 2018 von Marzellus

 

weidenkaetzchen

Weiden bieten den Bienen alles, was sie im zeitigen Frühjahr brauchen.

Hasel, Erlen und an erster Stelle die früh blühenden Weiden zählen zu den besten Trachtpflanzen im Frühjahr. An ihren hübschen Kätzchen ernten unsere Honigbienen nach einer langen Winterpause in Fülle die zur Aufzucht der Brut notwendige eiweißreiche Pollennahrung.

Seit einigen Wochen bereits hat die Bienenkönigin ihre Legetätigkeit wieder aufgenommen. Das für die Futtersafterzeugung erforderliche Eiweiß wurde bis Anfang März aus der Körpersubstanz (Eiweiß-Fettpolster) der Arbeiterinnen bereitgestellt, doch der Bedarf an Pollennahrung steigt mit den Temperaturen. Jetzt brauchen unsere Bienenvölker dringend gute Entwicklungstracht. Vor allem die früh blühenden Weiden liefern ab März  die dringend benötigte Kraftnahrung für die jetzt enorm wachsenden Kolonien.

Sowohl weibliche als auch männliche Blütenstände bilden reichlich Nektar. Der Honig der Weidentracht wird von den Bienenkolonien nur kurzfristig eingelagert und zum Aufbau des Volkes  vollständig aufgebraucht.

„Weide und Weide ist zweierlei“ schreibt Johann Alfred Ulsammer schon 1893 in seinem Buch „Die wichtigsten Bienenpflanzen in Garten, Feld und Wald.“- „Wir haben Weiden, welche im März blühen, und Weiden, welche im Mai blühen. So umlagert die ersten Weidenkätzchen von den ausgehungerten Bienen sind, so wenig beachten die Bienen nach überstandener Fastenperiode die späteren. Es kommt also für den Bienenzüchter darauf an, die allerfrühesten Weiden anzubauen, falls keine solchen sich in genügender Zahl in seiner Gegend finden.“ 

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Männliche Blüten der Grauweide (Salix cinerea) mit pollensammelnder Honigbiene

Bienen brauchen früh blühende Weiden für die Völkerentwicklung. Die Familie der Weidengewächse umfasst 55 Gattungen und über
1000 Arten. Nicht alle sind für die Förderung der Honigbienen geeignet. Heute ist es, bedingt durch zahlreiche Zuchtformen für die Zier- und Hausgärten und Hybride, nicht einfacher geworden, die als Bienen- und Insektenweiden geeigneten Sorten zu pflanzen.

Zu den besten Bienenweiden gehört die Salweide ( SaIix caprea ) Sie blüht sehr früh und reich. Sie ist unsere bekannteste wildwachsende Weidenart. Die großen, gelben Kätzchen dieser Weide erscheinen schon vor den Blättern im März, spätestens im April.

Weiden werden sowohl vom Wind als auch von Insekten bestäubt. Sie gehören zu den zweihäusigen Pflanzen. Das heißt, an einer weiblichen Pflanze wachsen nur weibliche Kätzchen und an einer männlichen ausschließlich männliche.

salix caprea

Salweide mit männlichen (linker Zweig) und weiblichen Kätzchen (rechter Zweig)

Die männlichen Kätzchen sind leuchtend gelb und viel auffälliger als die weiblichen, rein grünen Kätzchen. Außerdem duften sie viel intensiver, weshalb sie öfter von Bienen besucht werden. Die männlichen Weiden müssen dazu mehr Energie investieren, weil die Pollenproduktion mehr Energie benötigt als die Nektarproduktion der weiblichen. Die weiblichen Fruchtstände werden zwar weniger von den Bienen besucht. Diese Besuche reichen aber für eine zuverlässige Bestäubung aus.

Damit benachbarte Arten der Weiden nicht  bastardisieren und sich zu Hybriden entwickeln, produziert jede Art ihren spezifischen individuellen Duft. Dieses Parfum ist der Schlüssel dafür, dass die zahlreichen Weidenarten unter sich bleiben.

Die Salweide ist neben ihrer Bedeutung für die Imkerei die bedeutendste Pflanze für die heimische Schmetterlingsfauna. Beinahe einhundert Falterarten ernähren sich von der Salweide. Die dient ihnen entweder als Futterstrauch für die Raupen oder als Nährpflanze für die erwachsene Imago.

Die Tagbestäubung durch Bienen und Wind ist von größerer Bedeutung für den Bestäubungserfolg drr Gattung als die der Nachtfalter und der nächtliche Wind. Trotzdem produziert die Weide auch einen Duftstoff, der speziell die Nachtfalter anlockt. Welchen biologischen Zweck die Weide damit verfolgt gibt den Botanikern noch Rätsel auf.

In Österreich und in Süddeutschland trägt Salix Caprea auch den Namen Palmweide. Zum Andenken des Einzuges Christi in Jerusalem am Palmsonntag werden ihre Zweige traditionell geweiht und als Ersatz für echte Palmzweigen in der Prozession getragen.

Sehr früh blüht auch die Reifweide ( Salix daphonides ). Sie wächst zu einem bis 10 hohen Baum heran, und trägt reiche, gelbe Kätzchen. 

Gute Weidengewächse für die Entwicklungstracht kann auch ein Hausgarten anbieten. Die Purpurweide, die selten mehr  3 Meter hoch wächst, bietet auch eine Bienenweide mit gutem Nektar- und Pollenwert. Ihre elastischen Zweige wurden früher gerne zum Binden genommen.

Die Rotweide ( Salix calliantha ) ist ein spontan entstandener Hybrid, bei der die Duftkommunikation mit den Bestäubern wohl nicht so richtig geklappt hat. Diese sehr gesunde, natürliche Kreuzung aus Salix daphnoides und Salix purpurea bildet buschige Sträucher mit einer Höhe von 4 bis 6 m. Ihren sehr frühen, zahlreichen, dichtgedrängten, sehr großen, goldgelben Kätzchen liefern ebenfalls tüchtig Pollen, machen aber nur ein mäßiges Nektarangebot. Sie bietet daher den Bienen die erste gute und reiche Nahrung.

Alle Weidenarten lieben feuchte Standorte in der Nähe von Gewässern. Wer über ein Grundstück mit Weidenbestand verfügt, der sollte die Pflanzen nicht vor oder während der Blütezeit beschneiden, da so eine wichtige Trachtquelle für Bienen und Schmetterlinge wegfällt.

„In neuester Zeit wird auch von allen Weidenarten die persische ( Salix zygostoma ) empfohlen.  Die sehr frühe  aufblühenden Kätzchen dieser schnellwüchsigen, großstrauchigen, vom Ararat in Armenien stammenden Weide sind … so zart und stark duftend, daß sie in ihrer Heimat zum Parfümieren des Thees benutzt werden.“ schreibt Ulsamer in seinem Buch über die Bienenweide. Die zum Ende des 19. Jahrhunderts empfohlene Weidenart, die auch unter dem botanischen Namen „Salix aegyptiaca“ gesucht werden kann, ist mittlerweile aus dem Angebot der großen Baumschulen verschwunden.

Die in Parks und in der Landschaftsgärtnerei so beliebten Trauerweiden sind wegen ihrer späten Kätzchenblüte für die Imkerei leider weniger interessant.

Die Rinde der Weidenarten enthalten das schmerzlindernde und fiebersenkende Salicin. Bereist im 12. Jahrhundert empfahl Hildegard von Bingen Weidenrindentee gegen Fieber, Gicht und Gelenkrheumatismus. Heute nimmt man sattdessen Aspirin aus der Apotheke, das genau diesen Wirkstoff in synthetisierter Form enthält.

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