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Karden mit Zipfelmützen

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24. Februar 2018 von Marzellus

Der Winter hat der Eifel in diesem Jahr nur wenig Schnee gebracht. Doch immer zaubert er für den Wanderer, der mit offenen Augen durch die Natur geht, schöne Anblicke. Auf einem brach liegenden Wiesenstück bei Ahrbrück hat sich eine ansehnliche Pflanzenkolonie wilder Karden ausgebreitet. Ihre vertrockneten Blütenstände auf den langen kantigen und stacheligen Stängeln tragen hübsche Zipfelmützen aus Schnee.

Der große Natur und Pflanzenforscher Konrad Sprengel hat in seiner Schrift “ Das entdeckte Geheimnis der Natur“ in Bezug auf Pflanzen schon vor mehr als 200 Jahren behauptet, dass „der weise Urheber der Natur auch nicht ein einziges Härchen ohne eine gewisse Absicht hervorgebracht“ hat. Wie passend ist dieser Satz für die Karden, die eine eigene Pflanzengattung darstellen und botanisch nicht zu den Disteln gehören. Ihre stachelbewehrten langen kantigen Stängel wehren im Sommer Ameisen ab, die sich an dem lockendenken Nektar satt trinken wollen. Der ist schließlich für die geflügelten Bestäuber gedacht.

Vor allem die großen Wildtiere wie Hirsche und Rehe, die hier den Unterwuchs der Karden beweiden, helfen den Pflanzen dabei, sich nach und nach über die ganze Fläche auszubreiten. Die Karden gehören zu den so genannten Tierstreuern. Ihre elastischen bogenförmigen Spreublätter, die die 5 bis 8 cm langen, eiförmigen Blütenstände umgeben, verhaken sich beim Vorbeistreifen im Fell der grasenden Tiere. Wenn sich die Pflanzen von den weidend weiterziehenden Waldtieren lösen, schleudern die gespannten Stängel, die bis zu zwei Meter lang werden, die Samen wie ein Katapult mehrere Meter weit. So sorgen auch die Großtiere des nahen Waldes dafür, dass die zweijährigen Pflanzen nach und nach große Flächen erobern. Die Samenkörner, die nicht aus den trockenen Blütenständen geschleudert werden, sind eine gute Nahrung für den Distelfink. Deshalb sollte man die trockenen Pflanzen auch im Winter stehen lassen. Jetzt haben die Karden ihre Samen haben zum größten Teil schon verstreut.

Im Sommer werden unbewirtschaftete Flächen so zu einem von Jahr zu Jahr immer reicher gedeckten Tisch für nektarsuchende Insekten. Es sind vor allem langrüsselige Hummeln und Schmetterlinge, die in den 1 cm langen engen Röhren das zuckerhaltige Pflanzensekret zu finden. Deshalb gehört das attraktive Gewächs vor allem in Zeiten des Insektensterbens in jeden Naturgarten.

Honigbienen haben es wegen ihres vergleichsweise kurzen Saugrüssels bei den Karden schwer, deren von Juli bis Oktober reichlich angebotenen Nektar zu erreichen.

Charakteristisch für die spätsommerlichen Blühpflanzen sind die kreisförmig aufblühenden kleinen violett bis himmelblauen Einzelblüten, die von der Mitte des Fruchtstandes ausgehend sich nach oben und unten entwickeln.

Die wilde Karde ist ein Archäophyt. Vermutlich haben die Römer das distelähnliche Gewächs aus dem Mittelmeerraum mitgebracht. Traditionell hat die Pflanze einen gewissen Nutzwert. Die stacheligen Blütenköpfe der volkstümlich auch „Kardätschendistel“ genannten Pflanze wurden früher zum Kämmen der Schafwolle vor dem Spinnen benutzt.

Zubereitungen aus der Kardenwurzel wurden in der Volksmedizin gegen Magen- oder Leberbeschwerden und gegen allerhand Hautkrankheiten eingesetzt.

Populär wurde die Wilde Karde in jüngerer Zeit, da sie als Heilmittel gegen Borreliose-Infektionen gilt. Doch bisher gibt es noch keine wissenschaftlich überzeugenden Belege dafür.

Bei uns besiedelt die Karde vor allem Feuchtwiesen, die Uferbereiche von Fließgewässern, Wegsäume, und von der Landwirtschaft aufgegebene Weiden.

Wegen der formschönen auffälligen Blütenstände wird die Karde gerne auch in Trockensträußen verwendet.


Informationen für den Gärtner:

Bienenfreundlichkeit: Hoher Nektarwert bei mittlerem Pollenwert, allerdings ist der Nektar wegen der langen Röhrenblüten für Honigbienen nur schlecht zu erreichen.

Besonderheiten: bis zu 2 m hohe, violette Blütenstände, zweijährig

Boden: frisch bis feucht, durchlässig, nährstoffreich

Duftstärke: gering

Platzbedarf: 80 bis 100cm Pflanzabstand

Standort: Sonne bis Halbschatten

Verwendung: Staudenbeet, Gruppen, Rabatte, Einzelstellung

Pflegeaufwand: Gering, die trockenen Pflanzen sollten bis zum Frühjahr stehen bleiben, da sie besonders den Distelfinken noch Futter liefern.

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