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Wie zukunftsfähig ist unsere Landwirtschaft?

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30. Dezember 2016 von Marzellus

Wer möchte das bestreiten? Imker und Landwirte, die in früheren Jahrzehnten eine Art Zweckgemeinschaft waren, sind sich heute nicht immer mehr grün. In der Weidewirtschaft und dem  Pflanzenbau hat die Intensivierung der letzten Jahrzehnte in vielen Agrarregionen die Imkerei verdrängt, weil in Monokulturen und Fettweiden den Bienen die notwendige Nahrungsgrundlage entzogen wurde.Hinzu kommt der vermehrte Einsatz von Agrochemie, der Bienenvölker und Wildbienenarten existenziell bedroht. Blühstreifen und Heckensäume können nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir mit dem galoppierenden Artenschwund an einem kritischen Punkt angelangt sind, an dem man nach einer neuen Ausrichtung der konventionellen Landwirtschaft suchen sollte. Prof. Dr. Alfons Balmann, Direktor des Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO), analysiert im IAMO Policy Brief 30 „Über Bauernhöfe und Agrarfabriken: Kann die Landwirtschaft gesellschaftliche Erwartungen erfüllen?“ die Situation und diskutiert Wege aus der Krise. Balmann empfiehlt der Branche im IAMO Policy Brief 30 eine selbstkritische Analyse

Pressetext: Antibotikaeinsatz, Tierwohl, Überdüngung, Pestizideinsatz – kaum ein Tag, ohne dass die Landwirtschaft negative Schlagzeilen macht. Die zunehmende Kritik kommt dabei längst nicht mehr nur von agrarkritischen zivilgesellschaftlichen Organisationen, die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung und Zukunftsfähigkeit der Branche wird von einer breiten Öffentlichkeit diskutiert.

Die Landwirtschaft steht derzeit unter der besonderen Herausforderung, sich zugleich einer wachsenden gesellschaftlichen Kritik an modernen, zunehmend großbetrieblichen Produktionsweisen zu stellen als auch die Möglichkeiten weiteren technologischen Fortschritts zu realisieren, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen, so die Einschätzung des Agrarökonomen. Auch der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, dessen Mitglied Balmann ist, hatte zuletzt wiederholt angemahnt, Probleme im Bereich der Düngung und des Tierschutzes ernst zu nehmen und zu lösen.

Die Kosten für die Schaffung einer gesellschaftlich akzeptierten Landwirtschaft wären allerdings beträchtlich. „Das sind Herausforderungen, die in ihrer Größenordnung dem Transformationsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft nach der Wiedervereinigung entsprechen dürften.“, so Balmann. Nach seiner Einschätzung brauche es weitere technische Fortschritte ebenso wie die Bereitschaft der Landwirtschaft, proaktiv gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Allerdings seien hier mehrere agrarspezifische Herausforderungen zu meistern.

Der Hallenser Wissenschaftler verweist u. a. auf die technologische Tretmühle, die besagt, dass von technischen Fortschritten im Regelfall nur wenige Innovatoren profitieren. Weiterhin bestünde ein soziales Dilemma derart, dass diejenigen Produzenten, die ohne Honorierung gesellschaftlicher Leistungen Mehrkosten auf sich nehmen, mit anderen konkurrieren, die mit niedrigeren Standards wirtschaften. Die Auswirkungen der Tretmühle verkleinern die Spielräume freiwillig höherer Standards. Angesichts der sehr unterschiedlichen Voraussetzungen und Perspektiven innerhalb der Landwirtschaft seien zudem brancheninterne Konflikte unvermeidlich, um Problemlösungen zu identifizieren, die vielleicht auch möglichen Verlierern Perspektiven aufzeigen.

Eine einfache Lösung zur Überwindung der internen und externen Konflikte der Landwirtschaft sieht Balmann nicht: „Die Landwirtschaft ist gefordert, die bestehenden Defizite ehrlich anzuerkennen und durch aktive Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung neues Vertrauen zu gewinnen. Nur so kann es gelingen, für moderne und künftige Produktionsmethoden glaubwürdig zu werben und langfristig eine breite gesellschaftliche Akzeptanz zu erreichen.“

Die vollständige Analyse können Sie im IAMO Policy Brief 30 „Über Bauernhöfe und Agrarfabriken: Kann die Landwirtschaft gesellschaftliche Erwartungen erfüllen?“ nachlesen, der unter www.iamo.de/policybrief-30 kostenfrei zum Download zur Verfügung steht.

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