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Bienenschutz im Heumonat

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18. Juni 2025 von Marzellus

Der Juni ist der Heumonat. Überall reifen die Wiesen heran, und die Heuernte läuft auf Hochtouren. Doch gerade in diesen Wochen, in denen die Natur in voller Pracht steht, sehen wir immer wieder das Mähen zur „Unzeit“. Es bricht  nicht nur Traditionen, sondern hat auch ernsthafte Konsequenzen für unsere Biodiversität. Insbesondere das Mähen zur Mittagszeit kollidiert massiv mit den Bedürfnissen unserer Insektenwelt. Das habe ich nicht nur heute beobachtet. 
Bienen lieben Klee – das kann für sie zur Todesfalle werden (eigenes Bild)

Jetzt sind die leuchtenden Farben der Blüten in den Wiesen ein Magnet für unzählige Bestäuber. Zwischen 11 und 15 Uhr, wenn die Sonne am höchsten steht und die Temperaturen am wärmsten sind, erreichen viele Blütenpflanzen ihre Spitzenproduktion an Nektar und Pollen. Dies ist die Zeit, in der die Bienen am aktivsten sammeln. Sie schwärmen aus, um die lebenswichtige Nahrung für ihr Volk zu finden. Wenn genau in dieser Hochphase des Sammelflugs eine Wiese gemäht wird, ist das für die Heerscharen geflügelter Wiesenbesucher eine Katastrophe. Das Mähen zur Mittagszeit kann ganze Bienenvölker schwächen oder sogar zu deren Kollaps führen. Und es sind nicht nur Bienen, die dieses unnötige Schicksal trifft. Auch Heuschrecken, Schmetterlinge und viele andere Kleinstlebewesen, die sich in der Mittagshitze tiefer im Gras aufhalten, finden einen oft qualvollen Tod.

Das Problem ist nicht neu, und es wird auch durch gesetzliche Vorgaben und Empfehlungen zur guten landwirtschaftlichen Praxis adressiert. Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), insbesondere § 39, verpflichtet uns, wild lebende Tiere nicht ohne vernünftigen Grund zu töten. Zwar ist die Mahd eine landwirtschaftliche Notwendigkeit, doch ein rücksichtsloses Vorgehen, das unnötig hohe Tierverluste verursacht, widerspricht diesem Grundsatz. 

Darüber hinaus formulieren Agrarumweltmaßnahmen und die „Gute fachliche Praxis“ klare Empfehlungen, die weit über das gesetzliche Minimum hinausgehen:

Der Hauptappell ist, das Mähen in die frühen Morgenstunden (vor dem Hauptflug der Bienen) oder in die späten Abendstunden zu verlegen. Zu diesen Zeiten sind die Temperaturen kühler, die Nektarproduktion geringer und die Insektenaktivität deutlich reduziert. Die Tiere haben so eine größere Chance, die Fläche rechtzeitig zu verlassen.

Vergammelnde Heuernte – Warum nicht ein bisschen Mähverzicht zu gunsten der Artenvielfalt (eigenes Bild)

Insektenfreundliches Mähen ist auch immer eine Frage der richtigen Mähstrategie. Das Mähen von innen nach außen oder in Streifen, das Belassen von ungemähten Altgrasstreifen oder Blühinseln schafft wichtige Rückzugsräume und „grüne Korridore“ für Insekten. Dies fördert nicht nur das Überleben der Individuen, sondern sichert auch die schnelle Wiederbesiedlung der Flächen.

Mit Recht bemühen sich viele Landwirte um den Schutz unserer Rehkitze, etwa durch Drohneneinsatz und Infrarotdetektoren. Das zeigt, dass auch Landwirte bereit sind, für den Artenschutz zu investieren. Es ist an der Zeit, diesen Weitblick und diese Fürsorge für “Bambi” auch auf die „Biene Maja“ und ihre unzähligen Mitbewohner der Wiesen auszudehnen. 

Ein insektenfreundliches Mähen ist kein Verzicht, sondern eine Investition in die Zukunft unserer Natur und letztlich auch in eine nachhaltige Landwirtschaft.

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