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Imkern in Pulheim – eine Zwischenbilanz

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11. Juni 2018 von Marzellus

img_20180610_210548519_hdr2Seit dem vergangenen Sommer habe ich meinen Wohnort von Adenau in der Eifel nach Pulheim bei Köln verlegt. Meine Bienen sind natürlich mit umgezogen und stehen jetzt in meinem ca. 600 qm großen Hausgarten. Die Trachtbedingungen im Vergleich zu der Hocheifel könnten unterschiedlicher nicht sein. In dem weiten Talkessel am Fuß der Hohen Acht herrscht ein mildes Kleinklima. Extensiv be­wirtschaftete Wiesenflächen, alte Streuobstwiesen, ausgedehnte Heckenareale und vor allem viel Mischwald mit artenreichen Waldsäumen garantieren ein reiches Nektar- und Honigtauangebot während des Bienenjahres. Zahlreiche Obst­bäume in den oft großen Hausgärten in einer ländlichen Region bieten im Frühjahr weitere Nahrungsquellen für meine Völker. Eine üppi­ge Sommertracht mit hohem Ertrag zeigt, dass es für die Bienen während ihrer Sammelphase keine Engpässe im Nektar- und Pollenangebot gibt.

Die Situation in Pulheim ist in Bezug auf ihre „relative“ Natürlichkeit nicht so optimal. Hier wird auf den Lössböden Intensivlandwirtschaft betrieben und ich habe noch zu Beginn des Jahres all die Schwierigkeiten, die man als Imker in einem solchen Umfeld erwarten muss, befürchtet. Wenn man erfolgreiches Imkern am Honigertrag misst, dann ist aber auch hier gut imkern. Die Rapstracht ist ziemlich üppig ausgefallen, und im Frühjahr haben die Hecken und Bäume entlang der Bonnstraße und der Nebenstraßen reich geblüht.  Im Moment blühen die Linden in der Nähe meines Hauses und die Bienen fliegen fleißig.

Sorgen macht mir das, was nach der Frühjahrs- und Frühsommertracht kommt. Mais, Getreide und Zuckerrüben sind die häufigsten Feldfrüchte die hier vorzugsweise angebaut werden.  An Heckensäumen, wo es wenigstens etwas Läppertracht geben könnte, fehlt es im Sammelradius der Bienen.  Sie werden auf das angewiesen sein, was die Haus- und Ziergärten in der Ortslage hergeben. Entlang des Pulheimer Bachs gibt es Gott sei dank eine kleine Allee mit Sommerlinden und am Ortsausgang stehen ein paar Robinien. In diesem landwirtschaftlich geprägten Umfeld fehlt es an aktiven Beiträgen zu mehr Insektenweide. Löbliche Ausnahme ist ein 1,3 Kilometer langer und 3 Meter breiter Blühstreifen, den ein einheimischer Bauer angelegt hat, und der 1,5 Kilometer Luftlinie von meinem Bienenstand entfernt liegt. Das ist ja noch eine günstige Entfernung, wenn man einen Sammelradius von 3-5 Kilometern zugrunde legt.

Ansonsten sind die landschaftlichen Bedingungen für das Imkern in der Gemeinde Pulheim nicht sehr attraktiv. Hier wird bis fast an den Wegrand geackert. Auf dem  schmalen Streifen wachsen vor allem Gras und Brennnesseln. Und selbst hier bleibt nichts stehen, sondern wird bereits Anfang Juni kurz gemäht.

Umso dringender ist mir das Bedürfnis, meinen jetzigen Hausgarten in ein Bienenparadies umzugestalten. Einen Bienenbaum habe ich bereits mitgebracht, aber der wird noch ein paar Jahre brauchen, bis er zum ersten Mal blühen wird. Die vorgefundenen, leider vernachlässigten  Johannis- und Stachelbeersträucher habe ich mal auf Vordermann gebracht und schon im letzten Herbst durch neue „Ribiseln“ ergänzt. Meine Enkelkinder lieben Himbeeren und Blaubeeren, das tun auch die Bienen. Natürlich habe ich da auch schon für ein künftiges Angebot gesorgt. Als Unterpflanzung hebe ich flächig Thymian ausgesät, der langsam kommt. Von Natur aus wachsen hier wilde Erdbeeren, über die ich mich freue, und deren Wachstum ich fördere.

Den Rasen will ich nach und nach zur Wiese entwickeln. Solange ich noch einen Teil davon als Spielwiese für meine beiden Enkelkinder nutze, wird er noch gemäht. Aber ich habe bereits im Herbst Krokusse und Narzissen in den Boden gebracht, die ich verwildern lasse. Ich nutze das Jahr um zu beobachten, was sich auf nmeiner Wiese von alleine ansiedelt, um dann ab dem nächsten Jahr etwas gärtnerisch nachzuhelfen. Einen  Teil der Fläche habe ich für den eigenen Gemüseanbau genutzt. Der Garten soll schließlich mehrere Funktionen erfüllen, so wie ich das von früher kenne.

Die vorgefundene Halbstamm Schattenmorelle trug im letzten Jahr reichlich und bleibt natürlich an ihrem Standort. Ein alter Aprikosenbaum trug im letzten Jahr leider keine Früchte – er bekommt in diesem Jahr seine letzte Chance. Auch Obstbäume werden altersmüde. Zudem ist der Baum schlecht gepflegt und zeigt an einigen Stellen schon Pilzbefall und die Rinde löst sich. Ich weiß nicht, ob eine Sanierung noch Sinn macht, das muss ich noch beobachten. Vorsorglich habe ich in ausreichendem Abstand daneben bereits eine Mirabelle gepflanzt. Sollte die Aprikose gefällt werden müssen, werde ich den Baum fällen. Mit dem anfallenden Holz werde ich eine Totholzecke als Lebensraum für Insekten und Kleintiere anlegen.

Aber als Imker möchte ich nicht nur meine kleine Gartenimkerei entwickeln. Viel wichtiger ist es mir, auch auf mein Umfeld einzuwirken. Bei meinen Nachbar stoße ich für meine imkerlichen und naturschützerischen Anliegen auf viel Interesse. In der Stadtbücherei Pulheim habe ich bereits einen Vortrag zum Thema „Insektensterben – Was können wir dagegen tun?“ gehalten. Auf einer Veranstaltung der Jugendhilfe Brauweiler habe ich Kindern über die Arbeit des Imkers erzählt. Ich bin im Gespräch mit meinen Nachbarn und ich werde auch das Gespräch mit den Bauern suchen. Erste freundschaftliche Kontakte habe ich bereits geknüpft. Im September bin ich vom BUND Frechen zu einem Vortrag eingeladen.

 

 

3 Kommentare zu “Imkern in Pulheim – eine Zwischenbilanz

  1. helgabiene sagt:

    Besser kann man ˋs gar nicht machen, Marcellus. Ich tu das auch in meinem Garten seit einigen Jahren. Was früher eine einfache Wiese war, ist jetzt ein blühender Garten mit vielfältigem Pflanzenangebot für die Bienen. Ich imkere erst seit drei Jahren, aber der Ertrag bei den Früchten kann sich jedes Jahr sehen lassen. Es summt und brummt hier den ganzen Sommer lang. Nicht nur Bienen, auch Wildbienen und Schmetterlinge haben sich eingefunden. Erst heute hab ich einen seltenen Schwalbenschwanz gesichtet, auf meiner Fenchelstaude. Igel, Specht und Co. helfen fleißig mit, dass alles im Gleichgewicht bleibt. Das Imkern ist natürlich eine besondere Freude im Naturgarten. Wünsch dir weiterhin viel Erfolg und liebe Grüße aus Moosdorf von 🐝 Helgabiene

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  2. Kannst Du bitte mit den Bauern auch über den Anbau von Sophie als Futterpflanze sprechen.

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  3. Silphie sollte es werden.

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