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Am Anfang war die Distel

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16. Juli 2024 von Marzellus

Durch die Augen meiner Honigbienen betrachtet sind diese Disteln auf einem Rapsacker in der Agrarlandschaft zwischen Nettersheim und Marmagen wie eine Oase in der Wüste. Manchmal frage ich mich, warum die Bauern hier keine Blühstreifen anlegen (müssen) und alles bis an den Wegrand bewirtschaften, wo dann auch nichts wachsen darf, wovon Insekten irgendwie überleben können.

Mir stellt sich bei diesem Thema dann auch immer wieder die Frage, wie Agrarsubventionen mit dem Schlagwort Systemleistungen für Umweltschutz, Biodiversität und Nachhaltigkeit begründet werden können. Ich persönlich kann davon wenig sehen, was in der realen Welt umgesetzt wird. Das Gegenteil ist richtig. Umweltstandards werden mittlerweile beklagt und gelockert, obwohl ich nicht nachvollziehen kann, worin die wahrnehmbar bestehen.

Darin, dass man das Grundwasser nicht durch Düngung und Pflanzenschutz gefährdet? Dass man in Bezug auf Düngung und Biozideinsatz nachweispflichtig ist? Tierwohlauflagen vielleicht? Oder Anforderungen an die Lagerkapazitäten für Gülle und Mist, Fahrsilos? Mal ehrlich, warum wird man für Dinge subventioniert, die eigentlich heutzutage selbstverständlich sind und die fundamental für gute landwirtschaftliche Praxis sein müssten.

Eigentum verpflichtet, dieser Grundsatz gilt für mich als Hauseigentümer genauso wie für die gewerbliche Wirtschaft und selbstverständlich auch für die Landwirtschaft. Wo liegt denn der prinzipielle Unterschied zwischen meiner Sreu-und Räumpflicht auf dem Bürgersteig vor meinem Haus und der Verpflichtung, Gewässer und Grundwasser sauber zu halten? Ich reklamiere ja auch für Streusalz und Schneeschufel keine Fördergelder oder einen Steuernachlass.

Dass man für eine Übergangszeit, „Strukturwandel“, Subventionen zahlt um Härten abzufedern, dafür habe ich ja noch Verständnis. Aber doch nicht dafür, dass immer mehr „Laissez-faire“ in der Landwirtschaft sich durchzusetzen pflegt, besonders dann nicht, wenn diese Subventionen im großen Stil von denen abgegriffen werden, die sich immer weiter von dem entfernen, was man eine „Bäuerliche Landwirtschaft“ nennen könnte. Warum wird heute immer noch eine Landwirtschaft subventioniert, die nachweislich Klima, Böden und Grundwasser belastet und eine große Verantwortung für den rapiden Atrenschwund trägt?

Vom großspurigen „Green Deal“ ist zur Erhaltung von Biodiversität jedenfalls nicht viel übriggeblieben, das gilt sicher nicht nur für meine Gemeinde. Das kommt davon, wenn (nicht nur) in der Agrarpolitik die Interessensverbände die Politik bestimmen und auf opportunistische Politiker treffen, die sich mehr von den durch Bauernproteste initiierten öffentlichen Stimmungen bestimmen lassen, als von den realen Notwendigkeiten. Mit „Green“ haben solche „Deals“, mit denen man „Wutbauern“ besänftigen will, nichts mehr zu tun. Wissenschaftliche Expertise wird durchweg ignoriert.

Leider erfahren wir nicht nur in Diktaturen, dass mit Desinformation, Halbwahrheiten, Lügen und Opportunismus politische Macht verteidigt wird. Dieser üble und unwürdige Politikstil stellt auch inzwischen unsere Demokratie in Frage. Und da erinnere ich an die Dummheit großer Wählerschichten, die längst nicht mehr von der Politik Tansparenz, Argumentation und Sachbezogenheit erwarten, sondern dass ihr Wunschdenken und ihre Stimmungen bedient werden.

 Wenn schon Subventionen gezahlt werden, dann nach dem Prinzip „öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“. Und Leistungen gehen in meinen Augen über das hinaus, was eigentlich selbstversändlich sein müsste. Es wäre schon viel erreicht, wenn landwirtschaftliche Betriebe ausschließlich für ihre erzielten flächenbezogenen Umweltleistungen honoriert würden, anstatt – wie bisher – pauschal nach dem Umfang der förderfähigen Hektarfläche subventioniert zu werden. 

Das wäre dann mal endlich ein Green Deal, der halten würde, was er verspricht.

Ein Kommentar zu “Am Anfang war die Distel

  1. Avatar von helgabiene helgabiene sagt:

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    div dir=“ltr“>Hallo Marzellus,

    <

    div>du sprichst mir mir dies

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