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Schwarmalarm

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6. Mai 2024 von Marzellus

Heute erreicht mich ein Foto eines Imkerfreundes aus Kenia. Im Herbst des vergangenen Jahres habe ich ihn auf seiner Bienenfarm besucht und mir seinen professionellen Umgang mit der sehr angriffslistigen ostafrikanischen Honigbiene angesehen. Es zeigt den kenianischen Imker beim Schwarmfang auf einem Hausdach. So abenteuerlich, wie das Bild aussieht, ist oft auch hierzulande diese imkerliche Tätigkeit. Und sicher kann jeder seine schönsten, riskantesten und herausforderndsten Geschichten dieser oft unfreiwilligen Nebenbeschäftigung erzählen. Und manchmal finden sie sogar Eingang in die beste Sendezeit der Sportkanäle, wie am vergangenen Samstag 04.05.2024) in die Berichte über das Bundesligaspiels zwischen Bayern und Stuttgart.

Gerade jetzt sind eingefangene Schwärme besonders wertvoll. „Ein Bienenschwarm im Mai ist wert ein Fuder Heu, ein Bienenschwarm im Jun‘ ist wert ein fettes Huhn, ein Bienenschwarm im Jul‘ kaum ein Federspul‘, lautet ein altes Imker-Sprichwort. Jetzt kann sich das neue Volk noch voll entfalten und genügend Bienenmasse aufbauen, dass sogar noch das Ernten der Sommertracht möglich ist. Späte Schwärme dagegen sind problematisch. Wenn nicht genügend Bienenmasse aufgebaut wird und noch wenig Pollenspender zur Verfügung stehen, dann ist es schwierig die Nachzügler über den Winter zu bekommen.

Um Bienen von problematischen Stellen zu vertreiben oder sie davon abzuhalten in Schornsteine, hinter Hausverkleidungen oder Rolladenkästen und sogar unter der Motorhaube oder aus dem Radkasten von geparkten Autos herauszutreiben, hatten die Imker vergangener Zeiten vielversprechende Mittelchen zur Hand.

Sie machten sich den für Honigbienen attraktiven Duft der Mellisse zu Nutze oder vertrieben Bienen mit Hilfe des Geruchs von Wermut. Biuenfreund und Bienenleid nannten unsere Alten die beiden Pflanzen, und nicht nur in der Schwarmzeit nutzten sie die beiden Kräuter und daraus hergestellte Essenzen in der Imkerei.

Unter dem Titel: Altes Wissen wiederentdeckt hier ein paar Tipps aus vergangenen Jahrhunderten:

„Jedem, der Anspruch auf den Namen Bienenzüchter erhebt, wird es zur Notwendigkeit, zwei Pflanzen in seinen Garten aufzunehmen, die sich in einem großen Gegensatz zueinander befinden, aber für den Imker in der Praxis von unbestreitbarem Wert sind, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Die eine oder erste der genannten Pflanzen ist die Citronenmelisse oder der Bienenfreund, die zweite das Wermutkraut oder der Bienenleid. Ich füge daher die folgenden Namen der Pflanzen hinzu, weil sie das Verhalten der Bienen gegenüber diesen Pflanzen treffend illustrieren.

Die Citronenmelisse ist der Bienenfreund, denn schon die Blätter der Pflanze verbreiten einen angenehmen zitronenartigen Geruch, und die Blüten liefern köstlichen Honig. Kein Wunder, dass sie, sobald sich nur einige Blüten zeigen, von den Bienen in freudigster Stimmung umschwärmt werden. Aber auch in praktischer Hinsicht spielt die Citronenmelisse eine große Rolle, wie ich im Folgenden darlegen werde. Eine mit Melisse abgeriebene Wohnung wird von den Bienen viel lieber angenommen und nicht wieder verlassen.

Schwärme setzen sich gerne an Stellen, die mit Melisse abgerieben wurden. Dem Futter einige Tropfen Melissengeist zugesetzt, wird von den Bienen begierig aufgenommen. Hände und Gesicht vor einer Operation mit Melissenessenz abgewaschen, werden gegen den Bienenstich geschützt, weil die Bienen in diesem Fall ihren Stachel weniger nutzen.

Zu diesem Zweck erzeugt man die Essenz am besten und billigsten selbst, indem man frische Blätter und Blüten in eine große Glasflasche gibt und dann kräftigen Weingeist darüber gießt, um es dann im Warmen am Ofen oder besser noch an der Sonne zu destillieren.

Der Wermut ist das Bienenleid; denn seine Blüten werden entschieden gemieden, der Geruch ist für die Bienen äußerst unangenehm, und diese Pflanze gehört eigentlich nicht zur Bienenweide. Doch gerade aufgrund dieser Eigenschaften hat sie für den praktischen Imker einen hohen Wert.

Stellen, die mit Wermutkraut eingerieben wurden, werden beim Schwärmen gemieden. Will man die Bienen von einer unbequemen Stelle vertreiben, so werden einige Spritzer von Wermutessenz den gewünschten Erfolg herbeiführen. Bei der Festnahme von Schwärmen aus hohlen Bäumen, Mauerlöchern usw. leistet die Wermutessenz wahre Wunder. Man bohrt bei dieser Gelegenheit den Baum unter dem Sitz des Volkes an, spritzt eine Salve Wermutessenz in das Gewirr, und die Wirkung ist so radikal, dass das Volk auszieht und an der Flugöffnung abgefangen werden kann.

Die Wermutessenz verringert ebenfalls die Stechlust der Bienen, wenn Gesicht und Hände damit befeuchtet werden, weil die Bienen diesem Geruch ausweichen. Zudem sind die Blätter und klar geschnittenen Stängel in getrocknetem Zustand ein vorzügliches Rauchmaterial für die Rauchmaschine. Ich habe festgestellt, dass der Rauch von der Wermutpflanze bei äußerst mäßiger Anwendung die Bienen am ehesten demütigt und gefügig macht, ohne schädliche Nebenwirkungen.

Aus dem Gesagten wird deutlich, dass die zwei genannten Pflanzen die volle Aufmerksamkeit des Imkers verdienen und in keinem Bienengarten fehlen sollten. Jeder Imker sollte auch die davon erzeugten Essenzen auf Vorrat haben. Samen beider Pflanzen habe ich vorrätig und gebe solche zu mäßigen Preisen ab, solange der Vorrat reicht.

Zitiert nach: W. Böhm: Zur Bienenweide Quelle: Link:

Melisse, Pfefferminze und Thymian sollte der Imker schon deswegen im Garten haben, weil ihr Kraut in der praktischen Bienenzucht ausgezeichnete Dienste leistet. Der Geruch von Melisse ist den Bienen sehr angenehm. Schon die Alten haben ihre Körbe vor dem Schwarmfangen mit Melissenkraut ausgerieben, damit die Schwärme lieber in der Wohnung bleiben. Aromatischer Rauch von Pfefferminz- und Thymianblättern findet bei der Vereinigung und beim Einsetzen der Königin Verwendung.

Die Wohnung darf vor allem keinen unangenehmen Geruch haben und überhaupt nicht unrein sein. Beides würde die Schwärme zum Auszug veranlassen. Ein leichtes Strohfeuer beseitigt in dieser Hinsicht Mängel. Auch ist es gut, die Strohkörbe mit Melissenkraut auszureiben, damit sie für die Bienen einen angenehmen Geruch erhalten. Alte Körbe, in denen bereits Völker gehaust haben, eignen sich besser zum Fangen als völlig neue.“

Zitiert nach J.M. Roth: Badische Imkerschule, Karlsruhe 1894 Link:

Vom Schwärmen. Was ist vor dem Schwärmen zu tun?

a. Man muss rechtzeitig eine Partie Wohnungen für die zu erwartenden Schwärme ordentlich in Ordnung bringen, damit man nicht, wenn plötzlich ein Schwarm erscheint, herumrennen und alles erst zusammensuchen und zusammentragen muss. Bevor man den Schwarm in eine Wohnung bringt, sollte man diese sorgfältig untersuchen, ob sich darin etwa Spinnengewebe usw. befinden oder ob sie einen unangenehmen Geruch hat, etwa durch Verschmutzung durch Mäuse; denn sonst wird der Schwarm fast immer wieder ausziehen. Ich rate daher, jede Wohnung, auch wenn nichts Auffälliges darin zu bemerken ist, vor dem Einbringen des Schwarmes gründlich mit einem Handbesen auszukehren und mit frischem Melissenkraut auszureiben, das für die Bienen einen äußerst anziehenden Geruch hat. (Nikol Iacob Gründlicher, 2c. 1601 S. 67)

b. Befinden sich in der Nähe des Bienenstandes hohe Bäume oder fehlt es ganz an bequemen Stellen, z. B. niedrigen Bäumen, Stachelbeersträuchern, zum Schwarmfang, so stellt man etwa 15-18 Schritte vom Stand 8-10 Fuß hohe Stangen auf und befestigt daran Stücke dicker Eichen- oder anderer rauer dunkler Rinde mittels einer Schnur, „(Grüßmann, Neugebautes Immenhäuslein 1669 S. 52), so dass die Rindenstücke, wenn sich der Schwarm daran niedergelassen hat, langsam herabgelassen werden können, um ihn an den gewünschten Ort zu transportieren. Die Bienen legen sich besonders gerne an solche Stellen, wenn die Rindenstücke stark mit Melisse eingerieben sind. Auch kann man einen alten Korb aus braunen Weidenruten, der mit Melisse ausgerieben wurde und an dem eine alte schwarze Wachswabe befestigt ist, seitlich an eine Stange binden und unter die schwärmenden Bienen halten. Die Bienen legen sich nämlich gerne an einen dunklen Ort, weil sie glauben, dass dort bereits ein Bienenklumpen sitzt.

Dzierzon, Bienenfreund, 1854, S. 140, und Rat. Bienenzucht 1861, S. 147. Bergl. Auch Göppl, Monatsblatt 1842, S. 13.“ Link:

Hat sich ein Schwarm an einer recht bequemen Stelle angesiedelt, so reibe ich nach dem Einfangen diese Stelle kräftig mit Melisse ein. Hat er sich an einer unbequemen Stelle niedergelassen, reibe ich sie kräftig mit Wermut ein, um spätere Schwärme anzulocken oder zu vertreiben. Denn folgende Schwärme gehen nur zu gerne an die Stellen, wo bereits Schwärme hingen, weil immer noch einzelne Bienen sich dort längere Zeit herumtreiben. Schon aus diesem Grund sollten in jedem Bienengarten Melisse- und Wermuthsträucher vorhanden sein. Göppl sagt: „Ich rieb innen und außen die Körbe kräftig mit Melissenkraut ein und hielt sie an Stangen usw. unter die schwärmenden Bienen. Fast alle Schwärme zogen in solche ein.“

August von Berlepsch: Die Biene und die Bienenzucht in honigarmen Gegenden Mühlhausen Thüringen 1860

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