Klee, ein Segen für Bienen
Hinterlasse einen Kommentar1. Juli 2025 von Marzellus

In der Welt der Imkerei gibt es Pflanzen, die wir wegen der oft üppigen Tracht besonders mögen – der Löwenzahn, die Linde oder der Raps. Doch oft ist es eine unscheinbare, weit verbreitete Pflanze, die still und zuverlässig einen immensen Wert für unsere Honigbienen und Wildbestäuber darstellt: der Klee. Insbesondere der Weißklee (Trifolium repens), aber auch der Rotklee (Trifolium pratense) und andere Kleearten, sind wahre Säulen der Trachtversorgung und verdienen unsere besondere Aufmerksamkeit.
In akkurat gemähten Rasenflächen ist der Weißklee oft als „Unkraut“ verpönt, für die Bienen ist er allerdings ein Festmahl. Seine kleinen, weißen Blütenköpfchen wirken zwar einzeln unscheinbar. In der Masse aber bieten sie über Monate hinweg ein überreiches Buffet für unsere Schützlinge. Unermüdlich blüht der Klee vom Mai bis oft weit in den September hinein. Er ist eine der zuverlässigsten und ergiebigsten Nektar- und Pollenquellen überhaupt. Auch die Qualität des Nektars und die Ausbeute an Pollen ist in der imkerlichen Literatur mit dem Höchstwert (4) belegt. Weißklee-Nektar ist für die Honigbiene zudem leicht zugänglich: Beim Rotklee ist das anders. Dessen längere Blütenröhren werden eher von Hummeln bevorzugt, denn sie haben einen deutlich längeren Saugrüssel.
Beim Weißklee liegt die Zuckerkonzentration typischerweise zwischen 25 % und 64 %. Der daraus gewonnene Honig ist mild, hell und cremig. Er ist ein beliebter Sortenhonig, der schnell kristallisiert und steht bei vielen Konsumenten hoch im Kurs.
Auch für die Landwirte hat die 245 Arten umfassende Pflanzengattung einen großen Wert. Kleearten sind Leguminosen. Sie können atmosphärischen Stickstoff binden. Mithilfe von Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln wandeln sie den Stickstoff aus der Luft in eine für Pflanzen verwertbare Form um. Dies reichert den Boden auf natürliche Weise mit wertvollem Stickstoff an, was wiederum das Wachstum von Gräsern und anderen Pflanzen in der Umgebung fördert.
Für die Landwirtschaft bedeutet dies eine Reduktion des Bedarfs an synthetischen Stickstoffdüngern. Kleearten bringen auch den Bauern enorme ökologische und ökonomische Vorteile. Insbesondere auf beweideten Wiesen zeigt sich die Genialität des Klees: Seine bodennahe Wuchsform und die Fähigkeit, über kriechende Ausläufer neue Pflanzen zu bilden, machen ihn extrem tritt- und verbissfest. Während Weidetiere Gräser kurzhalten, bleibt der Klee bestehen und schließt Lücken in der Grasnarbe, während er gleichzeitig wertvolles, eiweißreiches Futter liefert.
Der Klee profitiert vom sogenannten „goldenen Tritt“ der Weidetiere. Der Druck ihrer Hufe lockert den Boden leicht auf und schafft winzige, offene Stellen, die ideale Keimbedingungen für Kleesamen bieten und es den kriechenden Ausläufern erleichtern, sich neu zu bewurzeln.
Trotz seiner Vorteile steht der Klee in der modernen, intensiven Silagewirtschaft oft unter Druck. Das Streben nach maximalen Erträgen und bestimmten Futterqualitäten kann seine Präsenz auf den Wiesen ungewollt reduzieren. Intensive Stickstoffdüngung etwa fördert vor allem das Wachstum der Gräser, die den Klee durch verstärkte Konkurrenz um Licht und Nährstoffe überwachsen. Auch häufige und frühe Schnitte, die auf eine hohe Energiedichte der Grassilage abzielen, können dem Klee zusetzen. Viele Kleearten haben so kaum eine Chance, zur Blüte zu gelangen und ausreichend Samen für die natürliche Verjüngung des Bestandes zu bilden. Obwohl Leguminosen wie Klee den Proteingehalt der Silage erheblich steigern und den Zukauf teurer Eiweißfuttermittel reduzieren könnten, ist ihre Silierung aufgrund des hohen Eiweiß- und geringeren Zuckergehalts komplexer. Dies führt dazu, dass in vielen Silagebetrieben reiner Grasbestand bevorzugt wird, was den Kleeanteil weiter mindert.
Neben der Samenverbreitung durch Wind, Tiere und Menschen (oft unbeabsichtigt durch Landwirtschaft oder Rasensaat) ist es seine vegetative Vermehrung, die ihn auf beweideten Flächen so dominant macht. Die kriechenden Triebe des Weißklees bilden an jedem Knoten neue Wurzeln und Triebe, wodurch er sich rasant über Flächen ausbreiten kann.
Als Imker sollten wir den Wert des Klees als hervorragende Trachtpflanze erkennen und fördern. Für viele Menschen ist ein unkrautfreier Rasen ein Ausdruck von Ästhetik, Ordnung und Sorgfalt, der das Eigentum gepflegter erscheinen lässt und oft sozialen Erwartungen entspricht. Für unsere Bestäuber er aber eine ökologische Wüste. Ein wenig mehr Wildnis, z.B. ein paar Kleepolster im Garten sind ein aktiver Beitrag zum Schutz der Bienen.
zum Titelbild: Mooshummel auf Weißklee
Die Mooshummel (Bombus muscorum) ist eine seltene Hummelart, die in feuchten, offenen Lebensräumen wie Mooren und Heiden lebt. Ihren Namen verdankt sie ihren oberirdischen Nestern im Moos oder dichten Gras. Sie ist leicht an ihrem dichten, rötlich-braunen bis goldgelben Pelz ohne schwarze Binden zu erkennen. Als Langzungenhummel ist sie auf tiefkelchige Blüten wie Rotklee und Disteln spezialisiert und spielt eine wichtige Rolle bei deren Bestäubung. Leider sind ihre Bestände durch den Verlust ihrer Lebensräume stark rückläufig. Schutzmaßnahmen für Moore und naturnahes Grünland sind daher entscheidend für ihr Überleben.
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