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Apfel, Nuss und Mandelkern …

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18. Dezember 2016 von Marzellus

christmas-cookiesOhne Bienen wäre der Dezember der traurigste Monat des Jahres. Auf dem Adventskranz glänzten keine Kerzen und am Weihnachtsbaum würden keine „Lichter brennen“ und der Christbaum wäre nicht „der lieblich blühende Wunderbaum“,  der für „Freud’ und Seligkeit und jede Nacht voll Kerzen“ sorgt.

Bienen lieferten den ursprünglichen Rohstoff  für unsere Kerzen ohne die der Symbolkraft weihnachtlichen Brauchtums ein ganz wesentliches Element fehlen würde. Viele religiöse und mystische Vorstellungen sind mit dem Schein der Kerze verknüpft und zwar nicht nur zur Weihnachtszeit. Kerzen stehen symbolisch für Wärme, Energie, Lebenskraft, um es kurz zu sagen, für das Gute im Menschen und in der Welt, sie spenden Licht und symbolisieren Leben. Ihr Licht verkörpert für religiöse Menschen die Anwesenheit Gottes. Eine brennende Kerze steht auch für die Seele des Menschen, die auch über den Tod hinaus leuchtet. Mit dem Licht der Kerze bekämpfen wir symbolisch das Böse, das wir immer mit Dunkelheit in Verbindung bringen.

Im Volksglauben rangiert die Kerze als wichtigstes Mittel zur Abwehr von Geistern und Dämonen, weit vor Knoblauch und auch vor einem bekannten italienischen Magenbitter, von dem es in den 1970er Jahren hieß, man könne mit ihm Vampire vertreiben. Die beiden letztgenannten Hausmittel gegen bisswütige Wiedergänger gäbe es im Übrigen ohne Bienen nicht.

Auch diejenigen, die profaner gestrickt sind, werden zugeben,  dass Kerzenlicht die weihnachtliche Wohlfühlatmosphäre entschieden bereichert. Allen Brandschutzerwägungen zum Trotz: Romantisch-festliche Heiligabendstimmung lässt sich immer noch am besten mit  Bienenwachskerzen erzeugen. Lichtschläuche, LED-Stripes und elektrische Kerzenketten mit ihrem Kunstlicht sind nur billige Imitationen des ursprünglichen Leuchtmittels aus dem Bienenstock. Mit seinem aromatisch-balsamischen Duft und dem lebendig  flackernden Lichtschein, kann keine andere Weihnachtsbeleuchtung ernsthaft in Konkurrenz treten.

Manches überlieferte Weihnachtslied würde ohne unsere geflügelten, guten Bienengeister gar nicht erst verstanden werden. Welche Ros‘ könnte „aus einer Wurzel zart“ entspringen, wenn nicht die Bienen des Sommers ihre Bestäubungsarbeit ordentlich erledigt hätten? Knecht Ruprecht bräuchte auch nicht mehr „Von drauß‘ vom Walde“ herzukommen, wenn er außer ein paar Nüssen nur noch die Rute für die schlechten Kinder aus seinem Sack hervorziehen könnte. Äpfel und Mandelkerne  für die „frommen“ Plagen hätte er, gäbe es die Bienen nicht,  ja nicht dabei.

Wer daran glaubt, dass Niklaus ganz gewiss was auf den rausgestellten Teller legen wird, darf nicht erwarten, dass er, ohne das Zutun der Bienen, am anderen Morgen Mandarinen oder Lebkuchen darin finden würde. Bestenfalls könnte er etwas Schokolade entdecken. Die Blüten der Kakaobohnen werden nämlich – anders als beispielsweise beim Kaffee – nicht durch Bienen, sondern durch winzige Mücken bestäubt.

Den weihnachtlichen Nachmittagskaffee müssten wir also ebenfalls umbenennen. Nachmittagstee ginge hierfür, denn die Teepflanze aus der Gattung cammelia sinensis lässt sich auch ohne Bestäuber durch Stecklinge vermehren. Aber auf die meisten Kräuter- oder Früchtetees müssten wir ohne Bienen verzichten.

Und unser Christstollen  wäre wahrscheinlich ein trockener und fader  Weizenkuchen, den wir bestenfalls mit ein paar Rosinen aufbrezeln könnten. Orangeat oder Zitronat, und diverse Weihnachtsgewürze, die dem Gebäck seine exotisch-fruchtige Note geben, wären ohne Bienen nicht verfügbar. Wer seinen Stollen mit einer Marzipanfüllung veredelt sehen will, wird wohl eine herbe Enttäuschung erleben, denn es fehlten die Mandeln als Hauptzutat.

Apropos Weihnachtsgewürze: Kardamon, Anis, Vanille, Safran, Nelken, sie alle brauchen Insekten als Bestäuber, vor allem Bienen. Und wie, bitte schön, sollen wir ohne Zutaten, die wir den heimlichen Wohltaten der Bienen verdanken, unseren Glühwein würzen?

Und noch etwas zum Schluss: Die Heiligen Drei Könige wären um zwei ihrer Geschenke verlegen gewesen. Weihrauch und Myrrhe, auch die gäbe es nicht, wären da nicht die Bestäuber aus dem Insektenreich, die unauffälligen Segen spenden wie einst die Heinzelmännchen zu Köln. Einem Jesuskind nur Gold, respektive Geld zu schenken, wäre dann doch für einen Weisen aus dem Morgenland ein ziemlich schäbiges Geschenk gewesen.

Frohe Weihnachten wünsche ich allen Bienenfreunden

 

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