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Offener Brief an die Fachfrau für Wissenschaft und Bienengesundheit des D.I.B.

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9. Dezember 2021 von Marzellus

Sehr geehrte Frau Meixner,

in der Verbandszeitschrift DIB Aktuell Nr. 4/2021 steht geschrieben unter Bezugnahme auf Sie: „Aus wissenschaftlicher Sicht gebe es allerdings einen kritischen Punkt bei der Verdampfung von Oxalsäure zu beachten: den Anwenderschutz. Hier liegt die Verantwortung der Datensammlung bei den Berufsgenossenschaften, die jedoch noch nicht in belastbarer Menge vorlägen“

Wie kommen Sie zu einer solchen Aussage?  Das Thema Anwenderschutz ist längst beantwortet und die Wirkung des Sprühverfahrens, der Vernebelung und der Sublimierung einschließlich der potentiellen Gefahren für den Imker wurden bereits am Institut für Arbeits- und Sozialmedizin der Universität Tübingen im Jahr 2004 gründlich untersucht und von Thomas Gump in seiner Dissertation „Untersuchungen zur Arbeitssicherheit des Imkers bei der Anwendung von Oxalsäure zur Bekämpfung der Varroatose “ gründlich dokumentiert.

Mich würde als praktizierender Imker interessieren, welche neueren Erkenntnisse zum Anwenderschutz die Ergebnisse der zitierten Untersuchung widerlegen, relativieren oder gerne auch bestätigen. Was die Gefährlichkeit und den Arbeitsschutz bei der Anwendung von Vernebelung und Sublimierung betrifft, kommt die zitierte Dissertation zu dem Ergebnis, dass der Imker beim Sprühverfahren wesentlich größeren Dosen von OX-Aerosolen ausgesetzt ist als bei den Verfahren, die in der Abgeschlossenheit des Bienenstockes ihre Wirkung entfalten.

Als Imker habe ich wenig Verständnis dafür, dass ein Verfahren, das bereits vor 20 Jahren in Deutschland entwickelt wurde, immer noch mit Bedenken und Vorbehalten blockiert werden kann, ohne dass diese Bedenken hinsichtlich ihrer Stichhaltigkeit inzwischen bestätigt oder ausgeräumt worden sind. Die Varroabekämfung ist sicher in der Imkerschaft eines der wichtigsten Themen. Da erwarte ich als Mitglied Antworten und keine Problemverschiebungen auf die Berufsgenossenschaften. Wer in 20 Jahren hinsichtlich eines neuen Verfahrens noch immer nicht genügend Daten gesammelt hat, der wird auch in Zukunft nicht genügend Daten gesammelt haben, solange es nicht an der imkerlichen Basis „rumort“. Wobei sich ja die Frage aufdrängt: Woher sollen denn die Daten für eine arbeitsschutzrechtliche Zulassung kommen, wenn das überhaupt nicht untersucht wird? Oder können Sie mir ein Forschungsprojekt nennen, das sich mit der Frage der Arbeitssicherheit bei den benannten Verfahren überhaupt beschäftigt? Zumal, wenn die Verfahren ja offiziell gar nicht erlaubt sind.

Das wirft kein gutes Licht auf die Bieneninstitute und erst recht nicht auf den DIB als Interessenvertretung von zur Zeit fast 133.000 Mitgliedern.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass es eine große Zahl von Imkern (Hobbyimker und Berufsimker) in Deutschland gibt, die sich hinter der sogenannten „vorgehaltenen Hand“ zur Anwendung von OX-Verneblung und auch der OX-Sublimation bekennen, weil sie diese Verfahren mit guter Erfahrung einsetzen.

Ferner hätte ich gerne mal gewusst, wer denn eigentlich die Zulassungsverfahren zu imkerlichen Anwendungen in Gang setzt, bei wem die entsprechenden Anträge gestellt werden bzw. bearbeitet werden, bzw. ob es überhaupt ein Zulassungsverfahren für die Verteilung organischer Säuren gibt, das bei den vielen Diskussionen um das Sublimierungsverfahren als Hinderungsgrund immer wieder beschworen wird.

Der Standpunkt des DIB, dass man „derzeit keinerlei Notwendigkeit oder Erfordernis, die Verdampfung von Oxalsäure zu unterstützen“ sieht, ist für mich nicht nachvollziehbar. Nach allem, was man aus der Imkerschaft liest und hört, sind Sublimierung und Vernebelung von OX wesentlich bienenfreundlicher und in der Praxis einfacher durchzuführen als die von Ihnen empfohlene Träufelmethode. Ich empfinde das als eine unzulässige Bevormundung der deutschen Imker seitens der Bieneninstitute und des DIB, vor allen auch deshalb, weil die angesprochenen Verfahren in den meisten Ländern der EU „gute imkerliche Praxis“ sind.

Ich freue mich über eine Antwort auf meine Fragen. Ich schreibe diesen Brief als einen „offenen Brief“, weil nicht nur ich wissen will, wie es mit den OX-Verfahren in Deutschland weitergeht. Ich werde auch meine Imkerkollegen über Ihre Antwort informieren.

Mit freundlichen Grüßen

Marzellus Boos

Bildquelle: Pixabay Freie kommerzielle Nutzung, kein Bildnachweis nötig

7 Kommentare zu “Offener Brief an die Fachfrau für Wissenschaft und Bienengesundheit des D.I.B.

  1. Markus Munzinger sagt:

    Hallo Herr Boos,

    Ich kann mich nur anschließen.
    Das Problem der Arbeitssicherheit könnte man sicher lösen wenn man es möchte.

    Dankeschön für diesen offenen Brief.

    Lieben Gruß Markus Munzinger

    Gefällt mir

  2. Matthias Kistenich sagt:

    Vielen Dank für den offenen Brief.
    Er formuliert im Wesentlichen genau meine Haltung und meine Forderungen an den DIB.

    Mit freundlichen Grüßen

    Matthias Kistenich

    Gefällt mir

  3. Fred Merkle sagt:

    Toll geschrieben!
    Es kann nicht sein daß DIB uns Imkern in den Rücken fällt.
    Ich bin Anfänger und unter solchen Umständen muss ich mir gar nicht erst überlegen zu diesem Verband zu stehen.
    Ein Verband sollte mich unterstützen.

    Gefällt 1 Person

  4. „.. Woher sollen denn die Daten für eine arbeitsschutzrechtliche Zulassung kommen, wenn das überhaupt nicht untersucht wird? Oder können Sie mir ein Forschungsprojekt nennen, das sich mit der Frage der Arbeitssicherheit bei den benannten Verfahren überhaupt beschäftigt? …“

    Für das Zulassungsverfahren von VARROX EDDY der Firma Andermatt BioVet wird derzeit der Anwenderschutz durch das Institut für Bienenkunde und Imkerei an der LWG in Veitshöchheim untersucht > siehe unseren Blogbericht unter https://bienen-leben-in-bamberg.de/veitshoechheimer-imkerforum-2021-2-bienengesundheit/

    Viele Grüße

    Reinhold Burger
    (Bienenwirtschaftsmeister und Bienensachverständiger)

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  5. Schäfer sagt:

    Ich habe dem DIB am 6.11.21 folgende Mail zu dem Thema geschrieben:
    „Betreff:Oxalsäureverdampfung
    Nachricht:Sie schreiben in der aktuellen Ausgabe: „In den bisher durchgeführten Untersuchungen verschiedener Institute (u. a. in Kirchhain) war die Effektivität einer Oxalsäure-Verdampfung nicht besser als die einer Behandlung mit Ameisensäure, bzw. einer Sprüh- oder Träufelbehandlung mit Oxalsäure… Aus genannten Gründen sehen wir als Bundesverband derzeit keinerlei Notwendigkeit oder Erfordernis, die Verdampfung von Oxalsäure zu unterstützen.“ Sehr traurig!!! Sie berücksichtigen nur die Effektivität bzgl. der Milben. Auf die Verträglichkeit für die Bienen gehen Sie gar nicht ein. Informieren Sie sich doch bitte auch mal hierüber. Interessante Berichte von Gerhard Brüning, Buchenrain 5, 8704 Herrliberg finden Sie im Netz. Die Oxalsäureverdampfung ist z.Zt. das bienenschonendste Verfahren überhaupt. Bei Ihnen scheint mir doch ein veraltetes Nutztierhaltungsbild vorzuherrschen. Ein wenig Umdenken findet aktuell zum Glück bei fast der gesamten Nutztierhaltung statt. Nur beim DIB nicht. Echt traurig!!!“

    Das war die Antwort:
    „Guten Tag Frau Schäfer, es gibt in Deutschland zugelassene Methoden, die eine effektive und für den Anwender sichere Behandlung mit Oxalsäure zulassen. Eine nicht zugelassene Methode kann von uns nicht unterstützt werden!

    Die Zulassung von Tierarzneimitteln ist geregelt. Wenn eine andere Anwendungsform in Deutschland zugelassen wird, kann sie entsprechend der Anwendungsvorschrift genutzt werden. Dem stellt sich der D.I.B. nicht entgegen.

    Ihre Vorwürfe gegen den D.I.B. sind inakzeptabel.

    Torsten Ellmann

    Präsident“

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    • Marzellus sagt:

      Diese sehr „kurz angebundene“ Antwort auf ein Thema, das in der Imkerschaft seit 20 Jahren schwelt, spricht für sich. Machtbewusst, unangreifbar, da er durch eine Satzung zum seinem Amt gekommen ist, die ihn zu den Einzelmitgliedern auf Distanz hält. Wir sollten uns mal gegen den eigenen Verbandsvorsitzenden organisieren und eine Satzungsänderung fordern, die den Präsidenten dazu zwingt, auf seine „Basis“ und deren Anliegen einzugehen. Dann müsste man sich überlegen ob man Kritik in der Sache so abschmiert.

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  6. Peter sagt:

    Da bin ich ja mal gespannt, ob die hohe Gesellschaft, vertreten durch Frau Meixner, in ihrer Borniertheit in der Lage ist zu erkennen, wie weit entfernt sie sich in ihrer Haltung von belegten Tatsachen und vor allem von ihren Mitgliedern bewegt.
    In solchen Fällen, wo wider besseren Wissens, an verkrusteten Argumenten festgehalten wird, ja, wo nicht mal die Bereitschaft aufgebracht wird, sich neuen Erkenntnissen zu öffnen, wer von diesem Verhalten profitiert. Wir werden sehen.

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